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Gehirnforscher Manfred Spitzer zu Gast an der azw:academy: "Gehirne machen keine Downloads."

Ein mehr als vollbesetzter Festsaal an der fh gesundheit und auf der Bühne ein Mann, auf dessen Worte alle Anwesenden vor Veranstaltungsbeginn merkbar gespannt waren: Immerhin bot sich die Chance, dem renommierten Gehirnforscher, Psychologen und Bestsellerautor persönlich zuzuhören. Der Vortrag "Wie lernt das Gehirn?" fand im Rahmen einer Fortbildung der azw:academy in Kooperation mit der fh gesundheit statt.
 

Was Hänschen nicht lernt…
In seinem Vortrag kam Prof. DDr. Manfred Spitzer rasch auf die Wichtigkeit des Lernens im Kindesalter zu sprechen. Bereits Babys und Kleinkinder würden sich in ihrem täglichen Tun von Natur aus wie kleine Forscher und Wissenschaftler verhalten, schließlich seien wir alle zum unablässigen Lernen geboren. Doch diesen natürlichen Lernprozess und die dadurch entstehenden Anpassungen der Hirnstruktur sieht Prof. DDr. Spitzer bedroht. Vor allem der Konsum elektronischer Medien würde Kinder und Jugendliche bei der Ausformung neuer Gedächtnisinhalte mehr hindern als unterstützen. Vorherrschende Trends zur Technologisierung von Klassenzimmern sieht er daher äußerst kritisch. Keine einzige Studie zeige bisher einen signifikant positiven Einfluss von technologischen Lernhilfen auf den Lernerfolg von Kindern. Es gäbe nun einmal keine Abkürzung zum Wissenserwerb durch Technologie, denn: „Gehirne machen keine Downloads“. In seinem zweistündigen Vortrag forderte Prof. DDr. Spitzer ein generelles Smartphone-Verbot bis zum achtzehnten Lebensjahr. Ein Vorschlag, wie dabei kompetenter Medienumgang entstehen kann, blieb aber aus. Es könne ohnehin kein Kompetenztraining für etwas geben, das bekanntermaßen süchtig mache und Hirnzellen zerstöre. „Schließlich verlangen Sie ja auch kein Alkoholkompetenztraining im Kindergarten“, so Spitzer.
 

Lernen ohne Angst und technische Hilfsmittel  
Aber nicht nur Ablenkung und mangelnde Lerneffekte durch digitale Medien nannte Prof. DDr. Spitzer als schädigende Einflüsse auf den Lernprozess. Der emotionalen Umgebung, in der Schulkinder lernen, misst er besondere Wichtigkeit bei. Unter Angst könne das Hirn weder kreativ arbeiten, noch lernen. Die im Schulwesen vorherrschende Annahme, schulische Unfähigkeit mache SchülerInnen ängstlich, sei fatal. Vielmehr seien es verängstigte SchülerInnen, welche, blockiert von negativen Emotionen und Versagensangst, unfähig werden, zu lernen. Allein durch diesen falschen Schluss würde an den Schulen Talent ohne Ende verschwendet. Eine angstfreie Lernumgebung ohne technologische Ablenkung sei für den Lernprozess von Kindern daher am förderlichsten.
 

Joggen für die Zellregeneration, ein Enkel gegen Demenz
Auch sein erwachsenes Publikum ermahnte er zum kritischen Umgang mit dem Smartphone: So hätten Forscher festgestellt, dass schon die reine Anwesenheit des eigenen Smartphones
geistige Leistung und Ressourcen abziehe, indem es Ablenkung erzeuge und die Konzentrationsfähigkeit schwäche. Stress und Schlafmangel zeigten, wenig überraschend, ebenfalls schädliche Einflüsse auf den Lernprozess, empfehlenswert für die Zellregeneration wiederum sei Bewegung in der Natur. Älteren Semestern, die sich frühzeitig gegen Demenz wappnen wollen, riet er bei der Beantwortung von Publikumsfragen mit einem Augenzwinkern, sich rechtzeitig einen Enkel zuzulegen.

Obwohl seine Ansichten oft kontrovers diskutiert werden, versteht es Prof. DDr. Manfred Spitzer unumstritten, sein Publikum zu fesseln: Beinahe drei Stunden lang hing der Saal an seinen Lippen. Den zweistündigen Vortrag und die anschließende Fragerunde werden die TeilnehmerInnen der Fortbildung in jedem Fall als eine interessante und kurzweilige Veranstaltung im Gedächtnis behalten.

 

 

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