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Auslandspraktikum in Tansania

Im Rahmen ihrer Ausbildung zur diplomierten Gesundheits- & Krankenpflegerin absolvierte unsere Auszubildende Stefanie im vergangenen Februar ihr Auslandspraktikum im St. Elisabeth Hospital in Arusha. In ihrem Bericht erzählt sie uns von ihren Erfahrungen und Eindrücken aus ihrer Zeit in Tansania.
 

Wir danken Stefanie recht herzlich für ihren eindrucksvollen Bericht und ihre Bilder!

 

Bericht aus dem Auslandspraktikum in Arusha, Tansania

Nicht nur wegen seiner wunderschönen Landschaft und seiner Tierwelt ist Tansania ein bemerkenswertes Reiseziel, sondern auch wegen seiner Menschen und der vielfältigen Kulturen der Urvölkergruppen wie den Maasai oder dem Chagavolk. Aus diesen Gründen habe ich beschlossen, mein vierwöchiges Praktikum im Jänner 2020 in der Stadt Arusha zu absolvieren. Bereits Monate vor meiner Abreise hatte ich begonnen, meinen Aufenthalt und mein Praktikum zu planen. So habe ich mich zum Beispiel über die notwendigen Impfungen informiert und ein Freiwilligenvisum beantragt und mich intensiv mit den Vorbereitungen meiner Reise beschäftigt.

Arusha ist eine Stadt im Nordosten Tansanias und Hauptstadt der gleichnamigen Region. Benannt ist die Stadt nach einem in der Region lebenden Volk der Massai. Die Stadt hat 416.442 Einwohner (Stand 2012) und liegt knapp 90 km südwestlich des Gipfels des beeindruckenden Kilimandscharo-Massivs auf 1.400 Metern Seehöhe. Unmittelbar nördlich befindet sich der kleine Arusha-Nationalpark mit dem 4.565 Meter hohen, ruhenden Vulkan Meru und dem an seinem Fuß gelegenen Ngurdoto-Krater. Einige bekannte Nationalparks, wie jene der Serengeti, Ngorongoro und Tarangire liegen nur wenige Kilometer entfernt.


Das St. Elizabeth Hospital liegt im Zentrum von Arusha und ist eines der ältesten Hospitäler des Landes. Es wird von der Erzdiözese Arusha geleitet und bietet der lokalen Bevölkerung Gesundheitsversorgung in den Fachbereichen Gynäkologie, Orthopädie, Pädiatrie, Physiotherapie, Chirurgie, Dentologie und Radiologie. Insgesamt werden dort jedes Jahr rund 55.000 Patienten und Patientinnen von qualifiziertem medizinischem Fachpersonal untersucht und behandelt. Im Jahr 2012 erlangte das Krankenhaus den Status eines sogenannten „designated hospitals“, das heißt, eines staatlich anerkannten Referenzkrankenhauses. Seitdem stieg die Nachfrage nach medizinischer Versorgung rapide an, beispielsweise fanden im Jahr 2011 rund 700 Geburten im St. Elisabeth Hospital statt, im Jahr 2014 waren es bereits über 3.000 Geburten.

Das Krankenhaus ist nicht sehr groß und die Stationen sind alle auf engstem Raum beieinander. Die Warteräume sind meist im Außenbereich oder innen auf schmalen Holzbänken. Auf den ersten Blick wirkte das Krankenhaus auf mich sehr in die Jahre gekommen. Man merkte sofort, dass es an allen Ecken und Enden an Ressourcen und Mitteln fehlt, das Material war teilweise veraltet oder kaputt. Auf Grund unregelmäßiger und viel zu geringer Zahlungen von öffentlichen Mitteln ist das Krankenhaus gerade einmal so in der Lage, laufende Kosten zu tragen. Der steigende Bedarf an Betten, medizinischem Equipment und der dringend notwendige Ausbau von Stationen kann so aber nicht finanziert werden. Allen Widrigkeiten zum Trotz setzen sich die Ärzte, Pflegefachkräfte, Therapeuten und Freiwillige dort jeden Tag mit viel Herzblut dafür ein, auch den Ärmsten eine medizinische Versorgung zu ermöglichen,

Während meines Auslandspraktikums hatte ich die Möglichkeit, verschiedenste Stationen und Fachbereiche kennenzulernen und dort Eindrücke zu sammeln. In der Chirurgie gab es jeweils einen großen Raum für die männlichen Klienten und einen kleineren für die weiblichen Klientinnen mit ca. 10 Betten. Die Patienten brachten ihre Bettwäsche immer selbst mit, da nicht genügend Ressourcen vorhanden waren. Die Unterlagen waren meist Tücher oder dünne Decken. Viele der Patienten gehörten dem Volk der Maasei an und trugen auch im Krankenhaus ihre traditionellen Gewänder. Bei der täglichen Pflege war die Kommunikation manchmal sehr schwer, denn die meisten Patienten sprachen nur Swahili, Maasei, oder Stammessprachen, die mitunter auch von den Einheimischen kaum verstanden werden.

Auf der Station fungierte ein kleiner Raum als unsere Leitstelle für die Pflege. Darin stand ein kleiner Tisch, auf dem die Patientenakten lagen, darüber eine kleine Pinnwand mit Dienstplänen. Es gab einen alten Eisenschrank, in dem sich Medikamente, Spritzen, Handschuhe und weitere Pflegeutensilien befanden, außerdem ein kleines Waschbecken mit antiseptischer Seife und einen Eimer mit Notfalllösung. Der Metallschrank fiel jedes Mal fast auseinander wenn man ihn öffnete und das medizinische Equipment darin war immer knapp. Die Pflegekräfte liefen täglich mit einem Plastikeimer voller Rezepte in den oberen Stock, um Medikamente für die Patienten in der kleinen Krankenhausapotheke abzuholen.

Angesichts dieser Mangelsituation fragt man sich, wie man am besten helfen kann. Wer sicher sein möchte, dass die Hilfe vor Ort greift, dem kann ich empfehlen, sich während des Praktikums einen Überblick darüber zu verschaffen, welche Materialien oder welche Ausstattung gerade benötigt wird. Es ist oftmals leichter und effizienter, diese dann vor Ort zu besorgen.

Anfangs hat es bei mir viel Überwindung benötigt, um mit den Verhältnissen und dem Kulturschock fertig zu werden. Aber dank der Freundlichkeit und der Hilfsbereitschaft der Menschen war mein Auslandspraktikum für mich beruflich als auch privat eine große Bereicherung und eine wertvolle Erfahrung, die ich mein Leben lang in Erinnerung behalten werde.

 

Meine Zeit in Arusha hat mir in jeder Hinsicht gezeigt, dass man auch mit wenig Ressourcen viel bewirken kann und oft bereits die kleinen Dinge eine große Auswirkung haben. Ich kann diese Praktikumsstelle allen, die gerne ein Auslandspraktikum machen möchten, auf jedem Fall weiterempfehlen.
 

Weitere Informationen zum Praktikum:

stefanie.campidell@edu.azw.ac.at
Website: www.seha.or.tz
E-Mail-Adresse: seha@habari.co.tz
Ansprechperson: Sister Rose (Pflegerische Leitung)
Telefonnummer: +255 784 903004; +255 786866628

 

 

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